Konzept

Einen Zeitraum, der länger als nur einen Augenblick andauert, im Bild festhalten, die Bewegung und den Fluss der Zeit, die für uns endlich und endlos zugleich ist, einen Rahmen geben, sie versinnbildlichen, das Einzelne und das Ganze in ihr, ja, sogar ihr Wesen selbst, so wie wir Menschen ihr Vergehen, ihr Dasein und ihr Voranschreiten wahrnehmen, gleichsam abzubilden, sie als ordnende und harmonisierende Kraft unserer Wahrnehmung erfahrbar machen - vom Mandala und Triptychon über das Daumenkino bis hin zur Lomografie hat es zahllose Varianten gegeben, den am Objekt sichtbaren Ablauf der Zeit bildhaft und dabei meist narrativ darzustellen.

Auch die Wellenkreise von Christoffer Greiß nehmen sich dieses Themas an -  und streift dabei die Limitierungen des Narrativen ab. So entstehen Bilder, die voller Atmosphäre auf den Betrachter wirken und dessen Vorstellung von Zeit  zu erweitern in der Lage sind.

In einem technischen Verfahren erschafft er aus der Momentaufnahme eines Kurzfilms, beispielsweise die ans Ufer laufenden Wellen am Brodtener Steilufer, einen Kreislauf, der alle wiederkehrende Bewegung in ihrem Organischem, Unberechenbaren natürlich darstellt, während Unbewegliches zu Linien wird.

Den Bildern eine Kreisform gegeben, schliessen eben jene dort abgebildete Momentaufnahmen auch einen existenziellen Kreis, eine Naht, die Anfang und Ende verbindet, darüber legen sich bei aller natürlichen Unregelmäßigkeit alle Bewegungen des Lebens in Harmonie, während die Dinge, die uns fest und sicher erscheinen, selber als Linien in Bewegung geraten, Vergänglichkeit als Kreislauf des Lebens, in dessen Mittelpunkt wir als Betrachter stehen - und verstehen lernen können, dass auch wir, wenn wir uns nur ein klein wenig bewegen, alles verändern können. Denn davon legen die Wellenkreise deutlich Zeugnis ab, kann es doch sein, dass aus dem Rohmaterial, nimmt man eine andere Momentaufnahme wenige Sekunden später heraus und bearbeitet diese, ein gänzlich neues Artefakt entsteht. AP

Die Technik

Wellenkreis Technik
Wellenkreis C. Greiß

Das Ausgangsmaterial der Wellenkreise ist ein Video. Zur Veranschaulichung sehen Sie hier mehrere einzelne Videobilder nebeneinander, immer schmaler werdend. Für einen Wellenkreis wird aus jedem Videobild eine nur einen Pixel breite Spalten genommen und all diese lückenlos nebeneinander montiert. Aus dem zeitlichen Nacheinander der Videobilder wird ein räumliches Nebeneinander, das einen Zeitverlauf abbildet. Im letzten Schritt wird das Bild zum Kreis geformt, so dass das Ende an den Anfang anschließt.

Etwas anders: Alias Blues

Die Alias-Blues-Wellenkreis-Videos sind mit einer ähnlichen Technik entstanden.

Filmt man mit einer Videokamera mit CMOS-Sensor mit Rolling Shutter, dann wird jedes einzelne Videobild nicht auf einmal, sondern Zeile für Zeile etwas zeitversetzt belichtet und ausgelesen/gespeichert. Bei Motiven, die sich horizontal bewegen oder horizontalen Schwenks kommt es so zu Verzerrungen. Dieses Phänomen nutze ich aus, während ich die schwingenden Gitarrensaiten filme (die Saite sieht aus wie eine Sinuswelle). Hierbei kommt noch ein zweiter Effekt zum Tragen, der Zeit-Alias-Effekt